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ESG um jeden Preis?

Ein Blick hinter die Kulissen des Nachhaltigkeits-Ratings

28. April 2021 | Finanzwelt

Immer mehr Anleger wünschen sich, dass ihre Geldanlage auch Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt. Das dafür entwickelte ESG-Rating (Environmental, Social, Governance) soll widerspiegeln, inwieweit Unternehmen bestimmte Richtlinien in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung berücksichtigen.

Ein lobenswerter Ansatz – als verantwortungsbewusster Anleger sollten Sie dennoch einen genaueren Blick auf die Mechanismen hinter den Ratings werfen. Sie werden sehen: ein hoher ESG-Score muss nicht zwingend Ihrer Vorstellung von Nachhaltigkeit entsprechen.

AAA für einen Ölproduzenten, AA für einen Waffenhändler

Der ESG-Score soll ein umfassendes Bild von Nachhaltigkeit zeichnen. Sowohl der rücksichtsvolle Umgang mit natürlichen Ressourcen als auch der Umgang mit Mitarbeitern, Partnern und Kunden sind gemäß ESG-Konzept wichtige Aspekte der Nachhaltigkeit.

Theoretisch sinnvoll, in der Praxis stehen Ratingagenturen aber vor Herausforderungen. Wie kann beispielsweise ein Flugunternehmen in Sachen Nachhaltigkeit mit einem Gesundheitskonzern verglichen werden?

Die Agenturen umschiffen diese Problematik, indem sie brancheninterne Vergleiche durchführen. Dies kann allerdings den Eindruck wecken, dass ein Unternehmen gut für die Umwelt ist, wenn es in Realität nur relativ gesehen das nachhaltigste Unternehmen in der eigenen Branche darstellt.

So bekommt beispielsweise der Ölproduzenten Galp Energia von der Ratingagentur MSCI die Top Note «AAA», der Waffenhersteller BAE Systems «AA» und der Wettanbieter William Hill «A». Der Gesundheitskonzern Fresenius, ein Unternehmen, das sich vollständig an den Zielen für nachhaltige Entwicklung der UN orientiert, wird mit einem «BBB» Rating als weniger nachhaltig bewertet.

Beispiele für ESG-Kriterien 

  • Environmental
    (Umwelt)
  • Klimaschutz
  • Umweltpolitik
  • Atomenergie
  • Biodiversität
  • Social
    (Soziales)
  • Menschenrechte
  • Arbeitsbedingungen
  • Sicherheit
  • Personalentwicklung
  • Governance
    (Unternehmensführung
  • Corporate Governance
  • Verhaltenskodex
  • Korruption
  • Militärausgaben

(Quelle: eigene Darstellung)

Ratingagenturen sind sich nicht einig

Ein Team von Researchern der MIT Sloan Business School hat herausgefunden, dass sich die ESG-Scores für ein und dasselbe Unternehmen je nach Ratingagentur maßgeblich unterscheiden können. So korrelieren die Ratings verschiedener Agenturen im Schnitt nur zu 61%. Zum Vergleich: Die Kreditrating-Agenturen Standard & Poors und Moodys sind sich zu 99% einig.

Wie entstehen diese Abweichungen? Agenturen berücksichtigen bei ihren Ratings unterschiedliche Faktoren und messen bzw. gewichten diese nach eigenem Empfinden:

Beispiele:

  • Agentur A legt Wert auf die Einhaltung von Menschenrechten, Agentur B gewichtet dafür die Reduktion von Treibhausgasen stärker.
  • Agentur X misst die Arbeitsbedingungen in einem Unternehmen anhand der Kündigungsrate, während Agentur Y diesen Faktor an der Anzahl der Mitarbeiterklagen gegen das Unternehmen misst.

Aufgrund der divergierenden Scores fällt es Investoren schwer, klare Nachhaltigkeits-Gewinner bzw. Verlierer zu identifizieren. Dies macht es unwahrscheinlich, dass sich der ESG-Score im Aktienkurs widerspiegelt. Auch für Entscheidungsträger innerhalb der Unternehmen treten Fragen auf. Welche Maßnahmen müssen getroffen werden, um den ESG Score zu verbessern? Auf das Rating welcher Agentur sollen die Bemühungen abgestimmt werden? Gibt es überhaupt Handlungsbedarf?

Erhöhte Gefahr von «Greenwashing»

Durch das stark gestiegene Interesse an «nachhaltigen» Investments und dem bislang noch unregulierten ESG-Markt steigt auch die Gefahr des «Greenwashings».

Damit bezeichnet man Maßnahmen eines Unternehmens, welche die Menschen im Glauben lassen, man wäre um die Umwelt besorgt – wenn in der Realität das Gegenteil der Fall ist. Diese «Strategie» ist so verbreitet, dass «greenwash» bereits 2010 in das Oxford English Dictionary aufgenommen wurde.

Allein im letzten Jahr wurden mehr als 80 bestehende Fonds auf nachhaltige Investment-Strategien umgestellt. „Angesichts der hohen Zahl der Umwandlungen in einer relativ kurzen Zeit ist der Verdacht naheliegend, dass nicht jeder Fonds einen genuinen ESG-Ansatz verfolgt oder, um es direkter zu formulieren: Es drängt sich der Verdacht auf, dass Greenwashing im Spiel ist„, meint Morningstar-Deutschland Chefredakteur Ali Masarwah.

Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtbehörde (ESMA) will den bislang unregulierten Markt für ESG-Ratings durch die Einführung von Richtlinien transparenter machen. So soll in Zukunft vor allem Greenwashing verhindert werden, aber auch eine allgemeingültige Definition der Ratings entstehen.

Greenwashing Taktiken

(Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an „6 Sins of Greenwashing“)

Kleine Unternehmen haben es schwerer

Eine Umfrage der deutschen Berenberg Bank hat ergeben, dass gerade kleinere Firmen oft nicht in der Lage sind, den umfangreichen ESG-Anforderungen nachkommen zu können.

Diese kleinen Firmen publizieren häufig nicht genügend Nachhaltigkeitsinformationen. Dadurch stehen den Ratingagenturen weniger Daten zur Verfügung und das Rating fällt dementsprechend schlechter aus oder kommt gar nicht erst zustande. Aufgrund der Anlagerichtlinien vieler institutioneller Investoren wären diese Unternehmen als potenzielle Investments ausgeschlossen.

Unsere Vorstellungen von Nachhaltigkeit

Es ist uns ein großes Anliegen, nicht in Unternehmen zu investieren, welche gegen unsere Wertvorstellungen und moralischen Ansprüche verstoßen. Aus unserer Sicht ist ein gutes ESG-Rating in seiner jetzigen Form aber noch kein glaubwürdiger Indikator für das sehr vielschichte Thema Nachhaltigkeit. Ein Portfolio, welches den sogenannten ESG-Kriterien entspricht, bieten wir deshalb nicht an. Bei der Auswahl unserer Unternehmen achten wir aber indirekt auf einige dieser Kriterien.

Estably ist die erste digitale Vermögensverwaltung aus Liechtenstein, die durch eine Mischung aus Technologie und menschlicher Anlageexpertise erstklassiges Vermögensmanagement ab € 35.000 anbietet. Durch die langjährige Erfahrung der Portfoliomanager im Bereich des Value Investings werden überdurchschnittliche Renditen angestrebt. Damit soll eine professionelle Vermögensverwaltung, wie sie bisher exklusiv für Grossanleger möglich war, für jeden zugänglich sein – komfortabel, transparent und profitabel.

Alles zu Estably finden Sie in unserem Whitepaper.

ESG um jeden Preis?

Ein Blick hinter die Kulissen des Nachhaltigkeits-Ratings

28. April 2021 | Finanzwelt

Immer mehr Anleger wünschen sich, dass ihre Geldanlage auch Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt. Das dafür entwickelte ESG-Rating (Environmental, Social, Governance) soll widerspiegeln, inwieweit Unternehmen bestimmte Richtlinien in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung berücksichtigen.

Ein lobenswerter Ansatz – als verantwortungsbewusster Anleger sollten Sie dennoch einen genaueren Blick auf die Mechanismen hinter den Ratings werfen. Sie werden sehen: ein hoher ESG-Score muss nicht zwingend Ihrer Vorstellung von Nachhaltigkeit entsprechen.  

AAA für einen Ölproduzenten, AA für einen Waffenhändler

Der ESG-Score soll ein umfassendes Bild von Nachhaltigkeit zeichnen. Sowohl der rücksichtsvolle Umgang mit natürlichen Ressourcen als auch der Umgang mit Mitarbeitern, Partnern und Kunden sind gemäß ESG-Konzept wichtige Aspekte der Nachhaltigkeit.

Theoretisch sinnvoll, in der Praxis stehen Ratingagenturen aber vor Herausforderungen. Wie kann beispielsweise ein Flugunternehmen in Sachen Nachhaltigkeit mit einem Gesundheitskonzern verglichen werden?

Die Agenturen umschiffen diese Problematik, indem sie brancheninterne Vergleiche durchführen. Dies kann allerdings den Eindruck wecken, dass ein Unternehmen gut für die Umwelt ist, wenn es in Realität nur relativ gesehen das nachhaltigste Unternehmen in der eigenen Branche darstellt.

So bekommt beispielsweise der Ölproduzenten Galp Energia von der Ratingagentur MSCI die Top Note «AAA», der Waffenhersteller BAE Systems «AA» und der Wettanbieter William Hill «A». Der Gesundheitskonzern Fresenius, ein Unternehmen, das sich vollständig an den Zielen für nachhaltige Entwicklung der UN orientiert, wird mit einem «BBB» Rating als weniger nachhaltig bewertet.

Beispiele für ESG-Kriterien

Quelle: eigene Darstellung

Ratingagenturen sind sich nicht einig

Ein Team von Researchern der MIT Sloan Business School hat herausgefunden, dass sich die ESG-Scores für ein und dasselbe Unternehmen je nach Ratingagentur maßgeblich unterscheiden können. So korrelieren die Ratings verschiedener Agenturen im Schnitt nur zu 61%. Zum Vergleich: Die Kreditrating-Agenturen Standard & Poors und Moodys sind sich zu 99% einig.

Wie entstehen diese Abweichungen? Agenturen berücksichtigen bei ihren Ratings unterschiedliche Faktoren und messen bzw. gewichten diese nach eigenem Empfinden:

Beispiele:

  • Agentur A legt Wert auf die Einhaltung von Menschenrechten, Agentur B gewichtet dafür die Reduktion von Treibhausgasen stärker.
  • Agentur X misst die Arbeitsbedingungen in einem Unternehmen anhand der Kündigungsrate, während Agentur Y diesen Faktor an der Anzahl der Mitarbeiterklagen gegen das Unternehmen misst.

Aufgrund der divergierenden Scores fällt es Investoren schwer, klare Nachhaltigkeits-Gewinner bzw. Verlierer zu identifizieren. Dies macht es unwahrscheinlich, dass sich der ESG-Score im Aktienkurs widerspiegelt. Auch für Entscheidungsträger innerhalb der Unternehmen treten Fragen auf. Welche Maßnahmen müssen getroffen werden, um den ESG Score zu verbessern? Auf das Rating welcher Agentur sollen die Bemühungen abgestimmt werden? Gibt es überhaupt Handlungsbedarf?

Erhöhte Gefahr von «Greenwashing»

Durch das stark gestiegene Interesse an «nachhaltigen» Investments und dem bislang noch unregulierten ESG-Markt steigt auch die Gefahr des «Greenwashings».

Damit bezeichnet man Maßnahmen eines Unternehmens, welche die Menschen im Glauben lassen, man wäre um die Umwelt besorgt – wenn in der Realität das Gegenteil der Fall ist. Diese «Strategie» ist so verbreitet, dass «greenwash» bereits 2010 in das Oxford English Dictionary aufgenommen wurde.

Allein im letzten Jahr wurden mehr als 80 bestehende Fonds auf nachhaltige Investment-Strategien umgestellt. „Angesichts der hohen Zahl der Umwandlungen in einer relativ kurzen Zeit ist der Verdacht naheliegend, dass nicht jeder Fonds einen genuinen ESG-Ansatz verfolgt oder, um es direkter zu formulieren: Es drängt sich der Verdacht auf, dass Greenwashing im Spiel ist“, meint Morningstar-Deutschland Chefredakteur Ali Masarwah.

Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtbehörde (ESMA) will den bislang unregulierten Markt für ESG-Ratings durch die Einführung von Richtlinien transparenter machen. So soll in Zukunft vor allem Greenwashing verhindert werden, aber auch eine allgemeingültige Definition der Ratings entstehen.

Greenwashing Taktiken

Kleine Unternehmen haben es schwerer

Eine Umfrage der deutschen Berenberg Bank hat ergeben, dass gerade kleinere Firmen oft nicht in der Lage sind, den umfangreichen ESG-Anforderungen nachkommen zu können.

Diese kleinen Firmen publizieren häufig nicht genügend Nachhaltigkeitsinformationen. Dadurch stehen den Ratingagenturen weniger Daten zur Verfügung und das Rating fällt dementsprechend schlechter aus oder kommt gar nicht erst zustande. Aufgrund der Anlagerichtlinien vieler institutioneller Investoren wären diese Unternehmen als potenzielle Investments ausgeschlossen.

Unsere Vorstellungen von Nachhaltigkeit

Es ist uns ein großes Anliegen, nicht in Unternehmen zu investieren, welche gegen unsere Wertvorstellungen und moralischen Ansprüche verstoßen. Aus unserer Sicht ist ein gutes ESG-Rating in seiner jetzigen Form aber noch kein glaubwürdiger Indikator für das sehr vielschichte Thema Nachhaltigkeit. Ein Portfolio, welches den sogenannten ESG-Kriterien entspricht, bieten wir deshalb nicht an. Bei der Auswahl unserer Unternehmen achten wir aber indirekt auf einige dieser Kriterien.

Estably ist die erste digitale Vermögensverwaltung aus Liechtenstein, die durch eine Mischung aus Technologie und menschlicher Anlageexpertise erstklassiges Vermögensmanagement ab € 35.000 anbietet. Durch die langjährige Erfahrung der Portfoliomanager im Bereich des Value Investings werden überdurchschnittliche Renditen angestrebt. Damit soll eine professionelle Vermögensverwaltung, wie sie bisher exklusiv für Grossanleger möglich war, für jeden zugänglich sein – komfortabel, transparent und profitabel.

Alles zu Estably finden Sie in unserem Whitepaper.

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